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This blog collects supplemental data on lesser worlds of the solar system (like Pluto and Titan) that have not (yet) been included in our books. You may contribute to our blog with brief articles that we will on your request also translate for our monolingual audience. The only precondition: Your content must in some way relate to dwarf planets or large moons of the solar system.

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Freitag, 15. Dezember 2017

NEU: Enceladus - Island des Weltraums

Wer noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Hobbyastronomen sucht: Das 4. Buch aus unserer Serie ist heute online gegangen. Am kommenden Montag und Dienstag könnt ihr die Kindle-Version sogar gratis herunterladen. Die großformatige 4-Farb-Druckausgabe wird voraussichtlich im Lauf des Wochenendes bestellbar.

Klappentext:
"Den Voyager-Sonden erschien Enceladus wie ein frischer glatter Schneeball.

Erst die Cassini bemerkte, wie außergewöhnlich dieser kleine Saturnmond ist, dessen Klüfte Geysire in den Himmel spucken, als sei er das Island des Weltraums.

Inzwischen ist die Cassini in den Saturn gestürzt worden, doch was sie beobachtete, ist noch lange nicht verstanden. Woher kommt die Wärme, von der die Geysire des Enceladus ihre Energie beziehen? Woher die organischen Substanzen darin? Kann es in seinem Innern sogar Leben geben?

In diesem Buch werden die außergewöhnlichen Beobachtungen der Cassini erstmals gesammelt vorgestellt."

Donnerstag, 6. April 2017

Ceres' Temporary Atmosphere Linked to Solar Activity

Diese Publikation hat es nicht mehr in unser Buch geschafft. Wir merken es an dieser Stelle für die zweite Auflage vor:
This publication did not make it into the book any more. We record it here for inclusion in a future second edition.

Ceres' Temporary Atmosphere Linked to Solar Activity


Montag, 27. März 2017

Neuerscheinung im März 2017: Ceres: Plutos kleine Schwester

So! Den dritten Band unserer Reihe über Zwergplaneten und Nebenplaneten des Sonnensystems habe ich gerade als Druckausgabe hochgeladen, er sollte ab morgen über Amazon bestellbar sein! [Nachtrag: Hier geht es zur Druckausgabe, das eBuch wird im April freigegeben.]

Die NASA hatte 2015 inoffiziell zum Jahr der Zwergplaneten ausgerufen. Innerhalb nur weniger Monate kam die Raumsonde Dawn beim erdnächsten Zwergplaneten Ceres an und die Sonde New Horizons flog am Pluto vorbei. Damit sind nun alle Himmelskörper zwischen der Sonne und dem Innenrand des Kuiper-Gürtels von mehr als knapp 1000 km Durchmesser optisch erfasst worden.
Die Dawn hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine lange Reise hinter sich. Eine Weile hatte sie den Protoplaneten Vesta umkreist, der wie die Ceres auf einer exzentrischen, stark geneigten Bahn zwischen Mars und Jupiter umläuft. Dieser Abschnitt ihrer Mission kann im vorliegenden Buch aus Platzgründen leider nicht behandelt werden, wir werden ihm einen späteren eigenen Band widmen. Die Beobachtung der Ceres läuft indes weiter und wird noch fortgesetzt werden, bis sich spätestens 2019 der Hydrazintank der Dawn geleert hat und sie als manövrierunfähiger Satellit den Zwergplaneten weiter begleiten wird.
Dawn und New Horizons waren nur zwei der unbekannten Raumfahrtmissionen, mit denen im 21. Jahrhundert das Sonnensystem erforscht wird. Neben verschiedenen Sonden und Landegeräten auf dem Mond und dem Mars sahen wir auch Messenger den Merkur umkreisen, Venus Express die Venus, Juno ist derzeit am Jupiter aktiv, Cassini wird im September 2017 in den Saturn stürzen. Keine neuen Anflüge sind derzeit leider für die äußeren Planeten Uranus und Neptun und deren Satellitensysteme vorgesehen, von denen wir bis heute nur die kurzen Blicke kennen, die Voyager 2 im Vorbeirasen auf sie geworfen hat.
Und dann war da auch noch die Rosetta mit dem unglücklichen Lander Philae, der sich auf dem Kometen Tschurjumov-Gerassimenko geradezu zu Tode hopste. Aber neue Raumflugunternehmen insbesondere zu den Kleinplaneten des Sonnensystems sind bereits unterwegs: Der inzwischen beendeten Hayabusa zum Planetoiden (25143) Itokawa folgt Hayabusa 2  zum erdnahen (162173) Ryugu, OSIRIS-REx hat sich auf den Weg zu dem weitgehend aus Eisen bestehenden (101955) Bennu gemacht, und am Neujahrstag 2019 wird die bestens funktionsfähige New Horizons sehr dicht an dem noch immer namenlosen Kuiper-Gürtelobjekt 2014 MU69 vorbeiziehen.
Bei all diesen Ereignissen stand die kleine Ceres ein wenig im Schatten vor allem ihres spektakulären großen Bruders Pluto. Das Unternehmen Dawn war jedoch höchst erfolgreich. Fachartikel der beteiligten Forschergruppen erscheinen weiterhin in schneller Folge: Der neueste, der in dieses Buch einging, erschien am 22. März 2017, gerade eine Woche vor der Drucklegung, und er behandelte die Frage, an welchen Stellen auf der Oberfläche sich Wassereis langfristig halten kann.
An einigen Beobachtungen der Dawn  entzündet sich die Fantasie: Die Ceres ist ein grandioses Rohstofflager für den Bergbau, aus ihren Mineralien ließen sich ganze Raumschiffsflotten bauen. Und noch schöner: Es sind alle Zutaten vorhanden, um irgendwo in der Tiefe eine präbiotische Chemie anzustoßen, also Vorstufen zum Leben, wenn nicht gar mikrobielle Lebensformen selbst. Die Ceres, eine bewohnte Welt?
Damit reiht sich der erdnächste Zwergplanet in die einst für erstarrte Eisklumpen gehaltenen, aktiven Welten wie Europa, Enceladus, Dione, Titan und Pluto ein; auch, wenn die Ceres offenbar keinen weltweiten Ozean unter ihrer Kruste birgt, wie man ursprünglich angenommen hatte, so gibt es doch stellenweise eine brackige Sole, die zu manchen Gelegenheiten an die Oberfläche spritzt. Es verführt zu Träumen zu einer Nachfolgemission zu der kleinen Dawn, die mit nur drei Instrumenten an Bord eine ganze Welt zu erkunden hat. Ein Ceres Polar Lander ist angeregt worden, der mit einer Sojus-Rakete zu starten wäre und nach vier Jahren Flugzeit zuerst in den Orbit gehen und danach auf die Oberfläche absteigen sollte - um nach primitivem Leben auf der Ceres zu suchen (so verkauft man seine Projekte an den amerikanischen Congress).
Sogar eine bemannte Mission zur Ceres wird in Betracht gezogen. Angeblich sei sie nicht aufwändiger als ein Flug zum Mars, mit 270 Tagen in eine Richtung sei auch die Flugzeit ungefähr dieselbe, wenn man ein atomgetriebenes Raumfahrzeug verwende. Das aber erfordert noch ein paar technische Innovationen. Ein unbemanntes Landegerät ist indessen heute schon machbar - sofern sich die Verantwortlichen überzeugen lassen, dass er sein Geld wert ist.
Mit diesem Buch möchten wir unseren kleinen Beitrag  zu dieser Diskussion leisten.

A. Möhn, M. Klemenčič
im März 2017

Nachtrag: Eine kostenlose Leseprobe gibt es wie üblich auf Academia.edu.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Brauchen wir eine neue Definition unserer Monde?



Abstract:
Die physikalischen und chemischen Ähnlichkeiten im Aufbau von Zwergplaneten und großen Monden der Gasplaneten veranlassen die Autoren, die bisherige Unterscheidung in Frage zu stellen. Statt strikt nach Umlaufbahnen zu urteilen, sollte der Aufbau der Welten stärker berücksichtigt und u. a. eine eigene Klasse für einander so ähnliche Welten wie Pluto, Triton und Titan beschaffen werden. Es wird vorgeschlagen, für Monde in hydrostatischem Gleichgewicht die ausgestorbene Bezeichnung Nebenplaneten (engl. secondary planets) wiederzubeleben.

Keywords:
Pluto, Charon, Titan, Ceres, Triton, Zwergplaneten, Monde, Tholin


Montage by Emily Lakdawalla. Data from NASA / JPL, JHUAPL/SwRI, SSI, and UCLA / MPS / DLR / IDA,
processed by Gordan Ugarkovic, Ted Stryk, Bjorn Jonsson, Roman Tkachenko, and Emily Lakdawalla.

Brauchen wir eine neue Definition unserer Monde?

2015 hat uns eine wissenschaftliche Revolution beschert, die wir noch nicht in ihrem vollen Umfang überschauen. Mit der Ceres und dem Pluto wurden gleich zwei Zwergplaneten auf einmal von Raumsonden besucht. Ihre Erkenntnisse veranlassen uns zu der Überlegung, ob die bisherige Unterteilung der Objekte im äußeren Sonnensystem noch brauchbar ist.
Wenn es heute heißt, dass die Ceres ein Eindringling im Planetoidengürtel sei, der sich weiter draußen im Sonnensystem entwickelt habe, ist sie dann nicht womöglich eher den Eiswelten des Kuiper-Gürtels zuzurechnen [1]? Wenn wir sehen, wie chemisch und physikalisch ähnlich sich der Pluto und der Saturnmond Titan sehen [2] (beide haben zum Beispiel praktisch dieselbe Dichte), ist es dann noch gerechtfertigt, sie in zwei verschiedene Klassen einzustufen, nur, weil der eine von ihnen eine größere Welt umkreist und der andere eine kleinere?

Es wäre womöglich sinnvoller, Objekte im Sonnensystem planetologisch zu klassifizieren statt lediglich nach ihren Umlaufbahnen. Mit den erdähnlichen und jupiterähnlichen Planeten haben wir einen guten Anfang gemacht, etwas weniger glücklich haben wir das mit den Zwergplaneten fortgesetzt. Unseres Erachtens brauchen wir eine ähnliche Einteilung für unsere Monde, die auch gemeinsame Klassen für Objekte mit ähnlichem Aufbau zulässt.


Aber nicht „Zwergplaneten“, bitte. Ich könnte nicht guten Gewissens den Titan als Zwerg bezeichnen, wo er doch größer ist als der Merkur.

Das ist eines der Probleme mit der Definition der Internationalen Astronomischen Union: Die Ceres ist so ziemlich das Kleinste, was noch als Zwergplanet durchgehen kann, aber man hat versäumt, eine Obergrenze festzulegen. Wie groß muss ein Zwergplanet denn werden, damit er zu einem richtigen Planeten wird? Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass alles unter dem Oberbegriff Planet zusammengefasst werden sollte, was sich nach der geltenden Definition im hydrostatischen Gleichgewicht befindet.

Also alles, was mehr oder weniger rund ist.

Wobei uns die Haumea ein Problem darstellt. <lacht> Was die großen Monde angeht, schlagen wir vor, für Monde im hydrostatischen Gleichgewicht den Ausdruck Nebenplaneten wiederzubeleben, der im 18. und 19. Jh. für Satelliten im Sonnensystem gängig war. Er geriet offenbar mit der Entdeckung der Marsmonde außer Mode, denn diese beiden Kartoffeln konnte niemand mehr guten Gewissens als Planeten bezeichnen. Dann hätten wir im inneren Sonnensystem fünf erdähnliche Planeten: die vier Hauptplaneten Merkur bis Mars sowie den Nebenplaneten Mond. An den vier Gasplaneten ändert sich nichts. Wir brauchen jedoch eine neue Klasse für Eis/Tholinwelten wie Titan, Triton und Pluto.

Oder allgemeiner für Planeten mit Eiskruste und flüssigem Wassermantel? Dann würden auch der Zwergplanet Ceres erfasst sowie weitere aktive Nebenplaneten wie der Enceladus.

Das wäre zu überlegen. Man könnte sie als plutoähnliche Planeten bezeichnen zur Beruhigung der Gemüter drüben, jenseits des großen Teichs [3], auch wenn historisch gesehen vielleicht eher der Titan der Prototyp der großen Eisplaneten wäre.

Was ist mit den Galileischen Monden?

Wir sind unentschieden darüber, ob sie einzuschließen wären. Der Io ist ganz sicher ein Fall für sich. Insbesondere die Callisto mag aber durchaus in dieselbe Klasse fallen, wo doch auch ihre Dichte mit der des Plutos vergleichbar ist. Was meinen die Leser? Wir nehmen gerne Vorschläge und Anregungen entgegen!


[1] Möhn/Klemenčič/Riemann (Codex Regius): „Ceres – Plutos kleine Schwester“, Wiesbaden/Ljubljana 2017 (in Vorb.)

[2] Möhn/Klemenčič/Riemann (Codex Regius): „Titan – Plutos großer Bruder“, Wiesbaden/Ljubljana 2016

[3] Möhn/Klemenčič/Riemann (Codex Regius): „Pluto & Charon“, Wiesbaden/Ljubljana 2016

Montag, 9. Januar 2017

Die Eisnadelwälder des Plutos: Was ist eigentlich Büßerschnee?

Astronomiewebseiten verbreiten in diesen Tagen die Nachricht, auf dem Pluto sei eine Eisformation namens »Nieve penitentes« nachgewiesen worden, wie man sie aus den Hochgebirgen Südamerikas kenne, und eine Computersimulation habe gezeigt, wie sie entstehe. Dabei können viele mit dem Begriff nichts Richtiges anfangen und geben den Zusammenhang falsch wieder. Der folgende Artikel sucht, zu vermitteln, um was für eine Erscheinung es sich bei Nieve penitentes, dem Büßerschnee, tatsächlich handelt.


Abb. 1: Tartarus Dorsa, anfangs
beschrieben als Schlangenhaut
NASA/JHU-APL/SwRI
Zunächst: Der Fund an sich ist nicht mehr ganz neu, die Vermutung, bei der Landschaft Tartarus Dorsa auf dem Pluto (Abb. 1) handle es sich um eine außerirdische Ausprägung von Nieve penitentes, findet sich schon in unserem Buch Pluto & Charon, Juni 2016. Neu ist lediglich die digitale Simulation von Moores u. a., die theoretisch bestätigt hat, was im Frühjahr nur eine Spekulation gewesen ist.

In den Alpen oder den Pyrenäen sucht man Nieve penitentes vergebens, denn er bildet sich nur in äquatornahen Hochgebirgen wie den Anden, dem Kilimandscharo, dem Elbrus oder dem Himalaya aus. Die Luft muss sehr trocken und sehr kalt sein – vielleicht auch sehr dünn? -, dann hinterlassen im Sonnenlicht sublimierende Eisdecken Strukturen, die meist nur 0,5 bis 1,5 m hoch und wenige Dezimeter weit sind, manchmal aber auch bis auf 6 m anwachsende Spitzen ausbilden können. Sie sind in regelmäßigen Abständen angeordnet und nach der vorherrschenden Einstrahlungsrichtung orientiert. Bergsteiger kennen diese Erscheinung auch als Zackenfirn (ice spikes oder ice blades). Abgesehen von ihrer äußeren Schönheit, vor allem bei Mondschein, ist sie wenig beliebt, denn sie ist mühsam zu begehen und erschwert das Vorankommen.
Abb. 2: Nazarenos als Vorbild für
den Büßerschnee
By Pedro J Pacheco (Own work) [CC BY-SA 4.0],
via Wikimedia Commons

Zum ersten Mal beschrieb den Zackenfirn nicht, wie oft behauptet wird, der Maler Rudolf Reschreiter, sondern der Bergsteiger Dr. Paul Güssfeldt bei der Erstbesteigung des Aconcaguas 1883. In der Deutschen Rundschau, Band 42, 1885, erinnerte er sich, dass er die mannshohen Eiszacken, »welche unter einem besonderen Namen in die Wissenschaft eingeführt zu werden verdienen«, zuerst als »Kerzenfelder« bezeichnen wollte, »bis mir [der Bergführer Lorenzo] Zamorano das bessere Wort nieve de los penitentes, oder nieve penitente, 'Büßerschnee', an die Hand gab.« Lorenzo Zamorano fühlte sich von den Firnzacken offensichtlich an die spitzen weißen Hauben der Nazarenos erinnert, der Büßer bei den Prozessionen der spanischen katholischen Kirche (Abb. 2). Der Begriff nieve penitentes wird bereits von der Popular Science, Dezember 1917, als »international name« der Erscheinung bezeichnet.

Für das Auge machte in der Tat Rudolf Reschreiter (* 1868; † 1939) den Büßerschnee bekannt, der 1903 gemeinsam mit Prof. Hans Meyer die Kordilleren bereiste. Auf dem Westhang des Chimborazo entdeckte Reschreiter am 12. Juli Formationen von Zackenfirn, fotografierte sie (Abb. 3) und setzte seine Aufnahmen später in naturalistische Gemälde um, mit denen Prof. Meyer seinen 1907 erschienenen Bildband In den Hoch-Anden von Ecuador: Chimborazo, Cotopaxi, etc illustrierte. Eines dieser Gemälde ist heute im Alpenvereinsmuseum Innsbruck ausgestellt.
Abb. 3. Darstellungen des Zackenfirns
von R. Reschreiter, 1907


Weder Güssfeldt noch Meyer hatten eine Erklärung für die Entstehung des Büßerschnees, außer, dass Wind und Sonne irgendwie beteiligt sein mussten. 1917 vermutete die Popular Sciences originellerweise Abschattung durch niedergeregnete Staubkörnchen von »meteors« als Ursache, warum beim Abschmelzen des Gletschereises Zacken zurückbleiben könnten. Erst hundert Jahre später, 2007, gelang es dem Team um M. D. Betterton, kleinmaßstäblichen Büßerschnee im Labor zu erzeugen:

»In der Natur entstehen die Nadeln jedes Jahr neu, wenn winzige Unebenheiten auf der Neuschneeoberfläche das Sonnenlicht in sich selbst streuen. Intensiveres Licht bringt mehr Schnee zum Verdampfen -- bei der Sublimation geht der Festkörper Schnee durch die trockene Luft direkt in Wasserdampf über. Der Prozess verstärkt sich selbst: Die Dellen werden immer tiefer und können so immer mehr Sonnenlicht "einfangen", so dass am Ende tiefe Höhlungen entstehen, zwischen denen die Eisspitzen stehen bleiben. Im Winter mit weniger intensiver Sonne füllt Neuschnee die Löcher auf, so dass im Frühjahr wieder eine geschlossene Oberfläche auf die Sonne wartet. Die Nadeln schützen die Gletscheroberfläche auf zweierlei Weise: Zum einen werfen sie Schatten, so dass weniger Oberfläche der Sonne ausgesetzt ist. Zum anderen vergrößert die dreidimensionale Form die Oberfläche des Gletschers enorm -- das liefert mehr Fläche für den Wärmeaustausch, und kalte Bergwinde können das Eis besser kühlen.

Um den Prozess zu beschleunigen, verstreute Bettertons Team Tonerpartikel eines Kopiergeräts auf frische Schneeblöcke. Waren die Partikel dünn genug verstreut, um Licht ans Eis zu lassen, so begann auch hier die Löcherbildung. Die Rußpartikel dienen den Eisspitzen als Lichtschutz und die Wartezeit bis zur Bildung der "Eisnadelwälder" verkürzte sich von drei Stunden auf eine halbe.« (Stand hier die These vom »Meteor«-Staub Pate?)
(Welt der Physik)

Dieses Modell hatte indessen einen Nachteil: Es erklärte ebenso wenig, warum der Zackenfirn in regelmäßigen Abständen und parallelen Orientierungen auftrat. Da half eine 2015 veröffentlichte Untersuchung von Philippe Claudin bei der Klärung:

»Regarding the characteristic spacing of these troughs, Claudin and his colleagues found that vapor diffusion at the surface is essential. It«s only when there are significant local variations in the vapor content of the air just above the surface that one part of the surface can sublimate quicker than another. But lateral diffusion [by wind] suppresses such differences—so if this diffusion is fast, separate penitentes can only grow a long distance apart. In other words, the separation of the penitentes increases with the diffusion rate.
(Bezüglich der typischen Verteilung dieser Mulden fanden Claudin und seine Kollegen heraus, dass die Oberflächenverbreitung des Dampfs ausschlaggebend ist. Nur bei deutlichen räumlichen Unterschieden im Dampfgehalt der Luft kann ein Teil der Oberfläche schneller sublimieren als ein anderer. Aber Seitwärtsverbreitung [durch Wind] verwischt derartige Unterschiede – geschieht diese Verteilung also schnell, können die Firnzacken nur weit entfernt voneinander gedeihen. Anders ausgedrückt: Der Abstand der Zacken steigt mit der Verbreitungsgeschwindigkeit.)«
(http://physics.aps.org/articles/v8/92)

Nun weichen die Strukturen in Tartarus Dorsa auf dem Pluto erheblich von denen auf der Erde ab. Zum einen: Sie sind nicht in eine, sondern in drei verschiedenen Richtungen orientiert, was nach Moores u. a. für ihr hohes Alter spricht, während irdischer Zackenfirn kein Jahr überdauert: Der Pluto muss mehrmals seine Bahndaten geändert haben, während sie anwuchsen. Zum anderen sind sie von gigantischer Größe: Wir haben es nicht mit einem Feld von Reschreiters hüfthohen Spitzen zu tun, sondern da türmen sich bis zu 500 m hohe Eiszinnen auf, die so weit auseinander stehen, dass man eine Kolonie zwischen sie setzen könnte!

Für einen Betrachter auf der Oberfläche des Plutos muss Tartarus Dorsa ein Naturwunder sein, wie es nur die kühnsten SF-Autoren hätten erdenken können. Vielleicht kommt ihm die Beschreibung am nächsten, die Stanislaw Lem in seinem Roman Das Fiasko (1985) von dem fiktiven Wald von Birnam auf dem Saturnmond Titan gab: »Das verbissene Spiel der chemischen Radikale … bringt einen Dschungel von zerbrechlichem Porzellan hervor, der, begünstigt durch die schwache Gravitation, Höhen bis zu einer Viertelmeile erreicht. … Das Ganze ist eigentlich eine geronnene Wolke aus geädertem Spinngewebe in allen Schattierungen von weiß, vom opalisierenden Perlmutt bis zum blendenden Milchweiß.« Nun wäre es interessant zu wissen, ob Büßerschnee auch unter den Bedingungen auf dem Titan auftreten kann – wäre das eine denkbare Erklärung für die auffallend helle Landschaft Xanadu?
Nun sind die Illustratoren gefordert: Wie sähe der Rieseneisnadelwald von Tartarus Dorsa aus der Sicht gelandeter Astronauten aus?

Codex Regius, Januar 2017

Dienstag, 29. November 2016

Codex Regius books: Titan: Plutos großer Bruder

Codex Regius books: Titan: Plutos großer Bruder: :  Während ich die Kapitel zu diesem Buch bearbeitete, die meine Frau mir beistellte, fielen mir immer stärker die Ähnlichkeiten zwischen dem Saturnmond Titan und unserem liebsten Zwergplaneten Pluto auf. Das musste im Buch genauer ausgeführt werden - gehören beide Himmelskörper etwa in dieselbe Kategorie? Dürfen wir sie wirklich voneinander getrennt halten, nur, weil der eine einen größeren Körper umkreist und der andere einen kleineren? ... (Weiter unter dem Link)

Leseprobe

Donnerstag, 22. September 2016

Für alle, die die fehlerhafte Kindle-Version heruntergeladen haben

Hinweis:

Alle Leser, die die fehlerhaft formatierte Kindle-Version von Amazon heruntergeladen haben, erhalten am Samstag, dem 22.09., die Gelegenheit, ihre Datei kostenlos auszutauschen. Auch alle anderen dürfen an diesem Tag noch einmal zugreifen, bevor "Pluto & Charon" bei KDP Select endgültig aussteigt: https://www.amazon.de/Pluto-Charon-Horizons-fernsten-Weltenweiten/dp/1534633529


Am 1. Oktober wird das e-Book dann endlich auch für ePub-Reader zugänglich gemacht!


Und hier noch ein aktueller Beitrag zu unserem liebsten Zwergplaneten:

"Aus Daten der Raumsonde "New Horizons" weiß man, dass der Zwergplanet Pluto eine herzförmige Region auf seiner Oberfläche besitzt. Darin befindet sich ein Gletscher aus gefrorenem Stickstoff mit Kohlenstoffmonoxid und Methan.
Die Wissenschaftler haben nun die atmosphärischen Bedingungen auf dem Zwergplaneten simuliert, um die Entstehung dieses Gletschers zu erklären. Im Magazin "Nature" berichten sie, dass eine vier Kilometer tiefe und 1000 Kilometer weite Senke für das Eis verantwortlich sei. In dieser Region sei die Atmosphäre Plutos am dichtesten, was wiederum günstige Bedingungen für das Eis schaffe.
Aus der Simulation ging außerdem hervor, dass das Eis auf der Nordhalbkugel Plutos in den nächsten zehn Jahren schmelzen werde. Sollte das tatsächlich eintreten, wäre das eine Bestätigen der Simulationsergebnisse, heißt es von den Forschern."
(http://www.deutschlandfunk.de/meldungen-liste-forschung-aktuell.1508.de.html?drn:date=2016-09-20&drn:news_id=658298)

Äh ... von Schmelzen steht in dem Nature-Artikel aber nichts, lieber Deutschlandfunk. Da heißt es nur, der Eispanzer würde sich periodisch ausdehnen und zusammenziehen.

Samstag, 20. August 2016

"Pluto & Charon" - die Kindle-Ausgabe - noch zwei Tage zum kostenlosen Download

Da es beim ersten Mal so gut gelaufen ist, wiederholen wir die Aktion noch einmal: Morgen, am Sonntag, und am kommenden Montag, ist die Kindle-Ausgabe unseres Bildbands "Pluto & Charon" auf https://www.amazon.de/Pluto-Charon-Horizons-fernsten-Weltenweiten/dp/1534633529/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1467731667&sr=8-1&keywords=Pluto+Charon+Codex vorübergehend kostenlos abrufbar! Schaut euch an, was euch entgeht, wenn ihr nicht die großformatige Druckausgabe mit den fantastischen Bildern vom Pluto und seinen Monden auf dem Tisch liegen habt!

Genießt einstweilen dieses Abschiedsbild, das New Horizons Kamera LORRI erfasste, als sie bereits 8 Mio. km hinter dem Pluto stand und zu ihm zurückblickte. Das Foto war in keiner Pressemitteilung zu sehen, aber es ist bei den Rohaufnahmen von LORRI abrufbar (siehe Link rechts). Hier leicht kontrastverstärkt wiedergegeben.



Freitag, 19. August 2016

Codex Regius books: Vorschau: "Titan - Die Sonde Cassini-Huygens am er...

Codex Regius books: Vorschau: "Titan - Die Sonde Cassini-Huygens am erdähnlichen Saturnmond":

Unsere Reihe über die jüngst erforschten Welten des äußeren Sonnenssystems geht weiter mit dem Mond, der in mancher Beziehung wie ein wärmerer und größerer Pluto aussieht.

Samstag, 30. Juli 2016

Clyde Tombaughs Pluto

(c) Codex Regius

So hätte Clyde Tombaugh am 23. Januar 1930 den Pluto gesehen, wenn ihm ein Instrument wie das Hubble-Teleskop zur Verfügung gestanden hätte. Beachtet, dass ihm die von der New Horizons nicht erfasste Südhalbkugel zugewandt war, deshalb ist eine detailliertere Auflösung nicht simulierbar. Deutlich zu erkennen ist allerdings die dunkle Cthulhu Regio am unteren Bildrand.

Dieses Bild wurde erstellt mit Celestia 1.6.1 und digital nachbearbeitet.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Nullpreisaktion: Die deutsche eBuch-Ausgabe nur dieses Wochenende kostenlos!

Nach der englischen zieht die deutsche eBuch-Ausgabe von "Pluto & Charon" nach: Am kommenden Wochenende, dem 30. und 31. Juli 2016, ist die kindle-Version unseres Bildbandes zur Raumsondenmission New Horizons vorübergehend kostenlos abrufbar. Verschaffen Sie sich einen Eindruck, wie der Band aussehen würde, wenn Sie ihn auf Papier vor sich hätten. ;-)

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf den Vortrag zu Pluto und seinen Monden hinweisen, der am Montag, dem 10.10.2016, um 20:00 Uhr bei der Astronomischen Gesellschaft Urania in der Volkssternwarte auf der Martin-Niemöller-Schule am Moltkering, Wiesbaden, stattfinden wird. Hier werden Sie auch die Gelegenheit erhalten, mehr über die neuesten Auswertungen des immer noch andauernden Datenflusses zwischen der Raumsonde New Horizons und der Erde zu erfahren, die erst nach Redaktionsschluss des vorliegenden Buches publiziert wurden. Ein Live-Videomitschnitt des vorausgegangenen Vortrags am 16. März 2016 ist hier abrufbar: 



Da nach einer ePub-Ausgabe gefragt wurde: Die wird es auch geben, allerdings erst ab Oktober 2016, wenn die Exklusivrechte beim Programm KDP-Select abgelaufen sind.

Dienstag, 19. Juli 2016

Pluto Articles: Pluto Follows Its Cold, Cold Heart

Why is Sputnik Planum exactly facing away from Charon? This article examines Pluto's dynamics and draws the astonishing conclusion that its axis may actually be unstable, owing to the relative distribution of volatile ices on the surface. So what would actually happen if Sputnik Planum would at times melt up, as we propose in our book? Is it conceivable that on such occasions it might actually "see" Charon rising one day?

Falls jemand diesen Artikel noch nicht gesehen hat: Hier diskutieren Experten, warum das Sputnik Planum genau von Charon abgewandt ist, und kommen zu dem Schluss, dass Umverteilungen der flüchtigen Eise an der Oberfläche Plutos Achse zum Taumeln bringen können. Was würde also tatsächlich geschehen, wenn das Sputnik Planum sich zeitweise verflüssigte, wie wir in unserem Buch vorschlagen? Könnte irgendwann der Charon über seinem Horizont aufgehen?

Pluto follows its cold, cold heart


Sputnik Planum, the left lobe of Pluto’s heart, is a vast expanse of mostly frozen nitrogen that lies close to the dwarf planet’s equator — too close to be mere coincidence, two UA planetary researchers suggest. So much ice has piled up here that it could have dragged the entire planet with it and reoriented its spin axis, they think. Charon is seen in the background. (Image: James Keane)

Freitag, 15. Juli 2016

Ein Todesstern, den Lovecraft persönlich ersonnen haben muss

I knew this strange, grey world was not my own,
But Yuggoth, past the starry voids 

(Ich wusste: Diese fremde graue Welt war nicht die meine,
sondern Yuggoth jenseits der Sternenleeren)
H.P. Lovecraft: Fungi from Yuggoth
(c) Codex Regius


Was sagt es eigentlich aus, wenn die Experten schreiben, Charon sei am Plutohimmel über siebenmal größer als der Erdmond an unserem? Dieser unmittelbare Vergleich nimmt dieselbe - antarktische - Landschaft daher und versetzt sie im unteren Bild probehalber in den westlichen "Schwanz" der Cthulhu Regio auf dem Pluto, in eine Gegend, in der Charon noch tief über dem Horizont steht (da Pluto ihm stets dieselbe Seite zuwendet, wandert er anders als unser Mond von dort auch nicht weg).

In Kapitel 7 von "Pluto & Charon - Die Sonde New Horizons in den fernsten Weltenweiten" ist die im unteren Bild dargestellte Szene wie folgt beschrieben:

Welch ein Anblick müsste es sein, wenn Captain Future mit seinem Raumschiff über der Sputnik Planum absteigt und nach Westen fliegt? Dahin rast es über die einladend weite Stickstofffläche; dann muss er den Bug hochziehen, als vor ihm die Eisinseln der Baré Montes und die tausende von Metern hohe Küstenlinie auftauchen. Bald ziehen die endlos düsteren Höhenzüge der Cthulhu Regio unter ihm dahin. Vereinzelt blitzen frische Eisgletscher auf den Gipfeln wie Tautropfen. Das Sonnenlicht reicht eben noch aus, die Farbe des Bodens erkennen zu lassen: Er ist getüncht mit trübrotem Tholin, ein mit geronnenem Blut geflutetes Schlachtfeld, mehr Yuggoth als Pluto. 

   Da tritt eine aschfarbene Kuppel hinter den Bergen hervor. Sie schwillt zu einer Scheibe und löst sich schließlich gewaltig vom Westhorizont. Das ist Charon, Plutos abstoßender Bruder. Sieben Mal größer als der irdische Vollmond kriecht er am Himmel empor, und von dort lächelt kein Mann im Mond herab. Grausig ist das Licht, dass dieser furchtbare Riesensatellit wirft. Nicht nur tot ist er, sondern ermordet: Tiefe Klüfte spalten ihn von einer Seite zur anderen wie eine Hirnschale, die eine Axt zerschmettert hat. Als sei das Blut von Cthulhus Schlachtfeld so weit hinauf gespritzt, dass es sogar den Trabanten befleckte, breitet sich an seinem Scheitel ein zwielichtrot geronnener Fleck aus: ein Todesstern, den Lovecraft persönlich ersonnen haben muss!  

Mittwoch, 13. Juli 2016

Pluto 1940 und heute

(c) E. Hamilton/gemeinfrei*; NASA/JHUAPL/SwRI

* Hinweis: Nach §72 Abs (3) UrHG sind Lichtbilder und andere
Reproduktionen 50 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung gemeinfrei.

Mit der linken Abbildung illustrierte Edmond Hamilton 1940 seine Heftromanserie "Captain Future". Sie zeigt die östliche Hemisphäre des erst zehn Jahre zuvor entdeckten Plutos sowie drei Monde namens Charon, Cerberus/Kerberos und Styx, die laut Hamilton um 1970 entdeckt würden. Charon ist der größte seiner Plutomonde.

Rechts zusammengestellt: Aufnahmen der Raumsonde New Horizons von 2015 mit der östlichen Hemisphäre Plutos (beim 270. Längengrad) und den drei Monden Charon, Kerberos und Styx nebst Entdeckungsdatum. Beachten Sie die ringförmige Struktur im unteren rechten Quadranten beider Abbildungen.

Im 1940 erschienenen Roman "Calling Captain Future" (deutsch bei Golkonda: Erde in Gefahr) beschrieb Hamilton eine Landung auf der Plutooberfläche im Schein der drei Monde. Zu den dargestellten Erscheinungen zählen die Wandernden Berge - Gletscher aus Wassereis, die auf der Plutooberfläche entlanggeschoben werden. New Horizons wies das Vorhandensein solcher Wandernden Berge auf der Ebene Sputnik Planum nach!

Die visionären Textpassagen aus Hamiltons Roman werden im Sachbuch "Pluto & Charon" ausführlich zitiert und behandelt. Der im Juni 2016 erschienene Band ist über Createspace erhältlich. 

Das ist so merkwürdig, dass ich nicht widerstehen konnte, es in meinem Vortrag bei der Astronomischen Gesellschaft Urania im vergangenen März anzusprechen, von dem es hier einen Videomitschnitt gibt.